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Reisen

Die größte Eishöhle der Welt: Eisriesenwelt Werfen

Als unser Guide die schweren Türen öffnet, rauscht ein starker, eiskalter Wind über uns hinweg. Die Flamme unserer Karbidlampe erlischt. In der Gruppe gehen wir mitten rein in den Sturm und durchschreiten die Tür ins Innere der Eishöhle. Nachdem wir die Gaslampe wieder entfacht haben, schauen wir uns um. Rings um uns erheben sich hohe Wände, die nur durch den Schein der Lampen in den Händen unserer Gruppe erleuchtet werden. Vor uns erstreckt sich eine Treppe, die uns tiefer in die größte Eishöhle der Welt bringt.

Auf 42 Kilometer erstreckt sich in den österreichischen Alpen ein Höhlenlabyrinth, dessen Ursprung ganze 100 Millionen Jahre zurückliegt. Die Eisriesenwelt Werfen südlich von Salzburg ist eindrucksvoll. Wie viel Tonnen Gestein über einem liegen, stellt man sich vielleicht besser nicht allzu konkret vor.

Der Weg zum Höhleneingang ist gleichzeitig aufregend und relativ leicht. Nachdem man das vorab gekaufte Ticket vorgezeigt hat, geht es zu Fuß in gut zehn Minuten zur Talstation. Mit der Seilbahn geht es von Werfen in die Höhe, genauer gesagt auf 1586 m zur Bergstation. Wer Probleme mit Höhe hat, schaut beim Hinauffahren lieber starr nach oben, denn gefühlt geht es in wenigen Minuten senkrecht nach oben. Wer den Blick nach unten wagt, sieht den Wanderweg, der sich serpentinenmäßig auf einem Geröllfeld nach oben schlängelt. Oben angekommen geht es noch einmal zu Fuß weiter, bis man nach weiteren zehn Minuten den Eingang wie ein großes dunkles Maul vor sich sieht. In die Höhle kommt man nur im Rahmen einer Führung, entweder in Deutsch oder Englisch. Da gleich eine englische Führung beginnt, schließen wir uns kurzerhand dieser an. 

Der Zugang zur Eisriesenwelt

Eisige Temperaturen und Tausende von Stufen

In der Höhle ist es kalt. Auch wenn draußen im Sommer um die 30 Grad Celsius herrschen, liegt die Temperatur in der Eisriesenwelt konstant beim Gefrierpunkt. Warm wird es einem beim Treppensteigen, denn der etwa einen Kilometer lange Weg durch die Höhle führt über rund 1400 Stufen. Während wir Treppen steigen, bin ich damit beschäftigt, im diffusen Licht auf die Stufen aufzupassen und gleichzeitig die Eisskulpturen zu bewundern. Zwischendurch bekommen wir Hintergrundwissen zum Alter der Eismassen und zur Erforschung und passieren ein Kuriosum. Mitten in der Höhle befindet sich imposant platziert die Urne des im Ersten Weltkrieg gefallenen Forschers Alexander von Mörk, der maßgeblich an der Erforschung der Eisriesenwelt beteiligt war. Er hatte sich gewünscht, in der Welt aus Eis seine letzte Ruhe zu finden. Offiziell entdeckt wurde die Höhle im Jahr 1879 vom Salzburger Naturforscher Anton von Posselt-Czorich. 

Das flackernde Licht hüllt die gefrorenen Skulpturen in gespenstisches Licht. Stalaktiten reichen von der Decke fast bis zum Boden, ein gefrorener See schimmert, dicke Eiswände. Eismeere formen eine unwirkliche Welt unter Tage. Beim Erkunden schleicht sich immer wieder der Gedanken in meinem Kopf, dass diese magische Welt eigentlich gar nicht für menschliche Augen bestimmt ist.

Infos:

Mit dem Auto geht es von Werfen bei Salzburg über einen fünf Kilometer langen Zufahrtsweg bis zum Besucherparkplatz bei der Eisriesenwelt. Wenn besonders viel los ist, muss man weiter vorne parken, dann bringt ein Bustransfer die Menschen zum Besucherzentrum.

Geöffnet ist täglich vom 29.4–31.10, das Besucherzentrum ist von 8:30 – 15 Uhr geöffnet. Führungen finden regelmäßig zwischen 9:30 und 15:45 Uhr statt.

Kombi-Tickets für Seilbahn und Führung kosten regulär vor Ort 39 €, online 35 €, Jugendliche zwischen 15 – 18 Jahren kosten 27 bzw 25 €, Kinder von 5 – 14 19 bzw. 17,50, Kinder unter 5 brauchen kein Ticket.

2 Comments

  • Jule
    3. November 2023 at 14:43

    Das klingt wirklich spannend! Auch wenn vielleicht ursprünglich gar nicht fürs menschliche Augen bestimmt, ist es doch faszinierend, dass man trotzdem Mal einen Blick durchs Schlüsselloch in diese eisige Parallelwelt wagen darf! Freu mich schon auf mehr schaurig schöne Orte!
    Grüße aus Abruzzo, jule

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    • Julia Schattauer
      3. November 2023 at 19:25

      Ja, ich fand es wirklich auch sehr spannend! Schön, dass du an Bord bist für schaurig-schöne Themen 😉

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